Gefahr der Re-Traumatisierung

Für die Generation meiner Eltern (Ü80) kann der Krieg in der Ukraine re-traumatisierend sein. Gleiches gilt für die vielen Menschen, die aus Syrien und den vielen anderen Kriegsgebieten der Welt zu uns gekommen sind. Die aktuellen Geschehnisse können eigene Erfahrungen antriggern, Flashbacks auslösen oder zu einer Re-Traumatisierung führen.

Nähe macht es besonders bedrohlich

Dass der Krieg in der Ukraine in unserer Nachbarschaft stattfindet, macht es besonders beklemmend und bedrohlich. Für Menschen wie meine Ma, die den Überfall und die Übergriffe der russischen Armee 1945 überlebt haben, müssen die aktuellen Nachrichten der reinste Horror sein. 

Bumm bumm, die Russen kumm...

Mit diesen Aussagen meiner Großeltern und meiner Ma bin ich selbst groß geworden. In der damaligen DDR waren permanent Einheiten der russischen Armee stationiert. Gelegentlich sind diese mit ihren Panzern und anderen Fahrzeugen umher gefahren. Das Rollen der Panzer war bereits kilometerweit im Voraus zu hören. 

Meine Großeltern haben dann ängstlich versteckt hinter Gardinen das Geschehen beobachtet und tief aufgeatmet, wenn die Einheiten vorbei gefahren waren ohne Zwischenfälle.

Frieden und Freiheit sind Basis für zufriedene Leben

Ich selbst habe das große Glück in Frieden und seit über 30 Jahren auch in Freiheit leben zu dürfen. Ein knappes Jahr habe ich in der ehemaligen DDR im Alter von 16/17 Jahren in einem Gefängnis verbringen müssen. Eine Erfahrung, die geprägt hat. Ohne Freiheit ist keine Selbstverwirklichung möglich. Und wirkliche Freiheit kann es nur in Frieden geben, in demokratisch geführten Systemen.

Zeit heilt nicht alle Wunden

Sie kann das Erlebte erträglich machen. Es wird lange brauchen, bis sich all die vielen Menschen - von den Großeltern bis zu Enkelkindern - von diesem traumatischen Erlebnis erholt haben. Dafür brauchen sie unsere Empathie und Unterstützung.