Allein geht es nicht

Januar 2015. Neun Jahre psychische und physische Schwerstarbeit liegen hinter mir. Ein Weg mit anstrengenden Aufstiegen und rasanten Abstürzen. Dass ich heute wieder phasenweise (circa drei Monate eines Jahres) ohne sichtbare Behinderung gehen und leben kann, hat viele Behandlungen und Therapiestunden gebraucht. Noch ist es ein täglicher Kraftakt, das Gehen und Leben leicht und mühelos aussehen zu lassen. Tägliches Üben und Trainieren sind dafür ebenso notwendig wie die intensive Auseinandersetzung mit dem Überlebten. Die Auseinandersetzung mit den vielen Verlusten, den gebliebenen physischen und psychischen Einschränkungen, mit der sozialen Isolation, mit der tiefen Leere und Einsamkeit, mit der grausamen Erkenntnis, keinen Platz mehr in der Gesellschaft zu haben.

 

 

Ein Ozean voller Tränen

In den vergangenen Jahren habe ich Ozeane voller Tränen geweint - vor Schmerzen, vor Verzweiflung, vor Hoffnungslosigkeit, vor Wut und vor Enttäuschung. Enttäuschung über das Wegschauen, das (Ver)Schweigen, das Leugnen und Lügen, das Entmündigen und das Verweigern von Hilfe.


Nach einem totalen Tief 2008 habe ich 2012 mein Lachen, meinen Humor und einen Teil meiner Souveränität wiedergefunden.
Für mich existentielle Notwendigkeiten für ein gutes und sinnvolles Leben.

Ohne die vielen kompetenten und empathischen Helferinnen und Helfer hätte ich diese für mich lebenswichtigen Eigenschaften nicht wiedergefunden.
Ohne diese besonderen Menschen wäre ich in meinem Trauma gefangen geblieben. Meinen Weg zurück ins Leben hätte ich allein nicht geschafft. Ihnen allen danke ich von ganzem Herzen.

 

 

Ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe

Bei den nachfolgend genannten Menschen habe ich Empathie, Motivation, Forderung und Förderung und Hilfe auf “Augenhöhe” gefunden.
Diese Menschen haben mich mit meinen Nöten und Schmerzen ernst genommen. Sie haben nicht weg geschaut, vielmehr sehr genau hin geschaut. Und haben dadurch gesehen und erkannt, welch unaussprechbare und nicht in Worte zu fassenden Verletzungen und Ängste vorhanden waren.

 

 

Auch Therapeuten und Ärzte sind Menschen

Mitunter waren auch Therapeuten und Ärzte überfordert und nicht jede Therapie und Behandlung ist unmittelbar optimal verlaufen. Doch immer ist daraus ein Stück Heilung entstanden. Manchmal ein paar Wochen nach einer Therapie, manchmal Monate oder erst Jahre später.

Auch das ist nach meinem Erleben ein wesentliches Merkmal meiner trauma-therapeutischen Erfahrungen: Zeit ist eine andere Dimension als die "normal" Übliche. Alles dauert und braucht länger.

Manchmal waren es kleine Gesten mit denen mir geholfen wurde, wie dem Verschreiben eines Schmerzmittels. Meist waren und sind es anstrengende Therapiestunden.
Stets war und ist die Zusammenarbeit in dem festen Glauben an mich und in meine Fähigkeiten getragen. Nach Jahren des Selbstverlustes und dem Verlust der eigenen Identität überlebenswichtige Geschenke.


 

 

Kleine Gesten mit großer Wirkung

Das Öffnen einer Tür, das Schieben des Einkaufswagens oder das Heben des Rollators in die Straßenbahn waren und sind für mich eine große Hilfe. Den vielen freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Bahn in Frankfurt und Bochum gilt ebenfalls mein Dank.

Auf meinen Fahrten nach Bochum waren sie mir bei dem schier unmöglichen Unterfangen in und aus den Zügen und mitunter auch über die endlosen Bahnhöfe behilflich. Ohne diese Unterstützung hätte ich 2010 nicht zu den Behandlungen in das Grönemeyer Institut Bochum fahren können. Die dortige Behandlung war der entscheidende Beginn meines Selbstversuches, irgendwie wieder auf die “Füsse und zurück ins Leben zu kommen”.